Baudelaire

Ich habe mir „Die Blumen des Bösen“ von Baudelaire gekauft. Und versinke in seinen Gedichten (das Buch enthält alle seine Gedichte…es sind sehr sehr viele und ich bin gerade erst am Anfang).

Und da ich euch diesen Genuss nicht vorenthalten möchte, hier eines seiner Gedichte, das mir sehr gefällt. Wobei ich es erst „entdecken“ musste. Es entfaltet seine Schönheit erst nach und nach 🙂

Die Maske

Laßt vor dem Florentiner Kleinod uns verweilen,
Das Muskelspiel des Leibes zu betrachten,
Drein sich erhabene Schwestern, Kraft und Anmut, teilen.
Dies Weib ist wahrhaft als ein Wunderwerk zu achten,
Anbetungswürdig schlank und göttergleich robust,
Im Prunkgemach zu thronen scheint ihr Los zu sein,
Für eines Kirchenfürsten oder Prinzen Lust.

-Sieh auch dies Lächeln, wollüstig und fein,
Das schwärmerisch von Eitelkeit umspielt,
Den Blick, so schmachtend, spöttisch und verstohlen,
Dies liebliche Gesicht, in Schleier eingehüllt,
Drin jeder Zug uns sagt, siegreich und unverholen:
„Die Lust hat mich gerufen, die Liebe mich gekrönt!“
Dies Wesen, das so hoheitsvoll zu preisen,
Wird noch von Liebreiz überaus verschönt!
Kommt her, laßt uns die Herrliche umkreisen.

O Lästerung der Kunst! Wie unselig gewendet!
Der Götterleib der Frau, der uns das Glück verspricht,
Formlos in einem Januskopfe endet!

-Doch nein! Nur eine Maske ist dies Scheingesicht,
Von affektiertem Grinsen aufgehellt,
Und schau, hier sehen wir das wahre Haupt,
Das wirkliche Gesicht, so grauenhaft entstellt,
Dem das geheuchelte nicht aufzuschaun erlaubt.
Arme, große Schönheit! Köstlich sinkt
Dein Tränenstrom in mein besorgtes Herz,
Und dein Betrug berauscht mich, meine Seele trinkt
Die Flut aus deinen Augen, übervoll von Schmerz!

-Doch warum weint die makellose Schönheit?
Sie legte leicht die Menschheit sich zu Füßen,
Nagt an ihr ein geheimnisvolles Leid?

-Daß sie gelebt, du Narr, läßt ihre Tränen fließen!
Und daß sie lebt! Doch was sie mehr beklagt –
Dies läßt bis in die Knie sie erbeben –
Ist, daß sie leben muß, wenn es von neuem tagt!
Morgen und immerzu! – wie wir! – noch weiterleben!

[Baudelaire – Übersetzung von Monika Fahrenbach-Wachendorff]